Juliana Windhaber

Auf meiner Visitenkarte steht…

Technische Angestellte des Werkzeugbaues, Arbeitsvorbereitung, voestalpine Rotec GmbH

Mein Betrieb produziert…

Das Besondere an den Produkten der voestalpine Rotec ist, das wir Stahlrohre verformen können, ohne diese zu erwärmen. Dadurch erzielen wir viel genauere Ergebnisse. Ich bin mir sicher, dass jede Steirer_in schon einmal Rohre und Produkte der voestalpine Rotec gesehen hat. Man findet unsere Produkte verarbeitet in den Rahmen von KTM-Fahrradgestellen, Motorradrahmen und Pumpen. Die voestalpine Rotec ist sogar weltweiter Marktführer in der Produktion von Gurtstraffern, wie sie in Autos verpflichtend vorgeschrieben sind.
Seit drei Jahren fertigen wir einen Teil unserer Werkzeuge selbst. Das heißt für die wirklich wichtigen Fertigungsschritte produzieren wir Schneidestempel, Stanzformen, Umformwerkzeuge und Dorne im eigenen Betrieb. Das geht sogar so weit, dass wir mittlerweile ganze Produktionsanlagen selbst bauen – von der ersten Idee und der Planung bis hin zur Montage und den Betrieb der Anlage machen wir alles selbst. So eine Anlage kann bis zu 10 Meter lang sein und 25 verschiedene Produktionsschritte/Werkzeugstationen beinhalten. Eine Werkzeugstation besteht aus ca. 30-50 Teilen! Ich bin in der Arbeitsvorbereitung tätig. Das heißt: Von der Konstruktion bekommen wir die Zeichnungen/Pläne und entscheiden, ob wir die verschiedenen Werkzeuge selbst produzieren können oder bei einem Lieferanten zukaufen. Bei diesen Entscheidungen spielen Wirtschaftlichkeit, das Sichern von Know-how und ein gut abgestimmtes Produktionsprogramm eine wichtige Rolle. Wenn wir die Werkzeuge selbst produzieren heißt das für mich Arbeitspläne zu schreiben (WIE macht WER, WANN, WAS mit WELCHER Maschine), die Lagerstände zu überprüfen (haben wir das Material, um selbst zu fertigen) und im Bedarfsfall selbst kleinere Änderungen an den Zeichnungen vorzunehmen.

Die drei wichtigsten Utensilien für meine tägliche Arbeit sind:

  • Der Computer – ohne Computer könnte ich meinen Beruf in der jetzigen Form nicht durchführen.
  • Kugelschreiber – um zu verhindern, dass unsere Produktionsmaschinen still stehen ist oft Schnelligkeit gefragt. Und wenn es mal schnell gehen muss, bleibt oft keine Zeit alle Informationen am Computer auszuarbeiten. Dann notiere ich mit dem Kugelschreiber alle wichtigen Informationen für die Kollegen und trage diese später am PC nach. Diese „Schnellschüsse“ haben schon so manchen Produktionsstillstand verhindert.
  • Persönliche Schutzausrüstung – ich arbeite in einem metallverarbeitenden Betrieb. Und so ist die persönliche Schutzausrüstung sehr wichtig für meine Arbeit. Vor dem Besuch in der Halle heißt es: Stahlkappenschuhe, Helm, Gehörschutz anziehen.

Mein typischer Arbeitstag:

Mein Arbeitstag beginnt meist um 6:30 Uhr. Die einzige Tätigkeit, die ich wirklich immer zur gleichen Zeit mache, ist, meine Sicherheitsschuhe anziehen ansonsten gestaltet sich jeder Tag anders. Ich bearbeite die sogenannten „Schnellschüsse“ (dringende Änderungen), befasse mich mit den Arbeitsplänen, überwache den Lagerstand und mache Bestellungen. Hin und wieder konstruiere ich auch selbst. Mein Arbeitstag endet meist gegen 15:00 Uhr.

An meinem Beruf fasziniert mich, dass…

…kein Tag dem anderen gleicht.
…es immer wieder herausfordernd ist, komplizierte Arbeitsabläufe vorauszudenken. Immer wieder neue Aufgaben erfordern immer neuere und kompliziertere Werkzeuge
…ich meine eigenen Ideen und Lösungen in Konstruktionen und Zeichnungen einbringen kann.

Diese Charaktereigenschaften braucht man in meinem Beruf unbedingt:

  • Teamfähigkeit – laufende Abstimmung mit Kolleg_innen im Büro und in der Werkstatt.
  • Genauigkeit – Werkstücke werden nach dem von mir entwickelten Arbeitsplan gefertigt, also darf ich mir keine Fehler erlauben. Damit auch wirklich nichts schief geht kontrollieren wir uns innerhalb der Abteilung gegenseitig (4-Augen-Prinzip).
  • Flexibilität – oft ist es notwendig, alles stehen und liegen zu lassen und sich einem anderen, wichtigeren Thema zu widmen.

Diese Erfindung hätte ich gerne gemacht bzw. würde ich gerne machen:

Ich würde gerne einen „Fliegenden Teppich“ erfinden, damit ich endlich die Lampen im Stiegenhaus aufhängen kann.

Meine Ausbildung:

Ich habe die Hauptschule in Langenwang besucht und war für das 9. Schuljahr an der Fachschule für Flugtechnik in Langenleber (Niederösterreich). Das Internatsleben war nicht meines und so habe ich nach dem 9. Schuljahr eine Lehre zur Werkzeugbautechnikerin bei der voestalpine Rotec absolviert. Die Lehre dauerte 3,5 Jahre.

Mein liebstes Fach in der Schule:

Mein liebstes Fach in der Schule war Geometrisches Zeichnen. Die Genauigkeit und das Tüfteln gefallen mir

Mein Berufswunsch als Teenager:

Als Kind wollte ich immer Bürokauffrau werden – genau wie meine Mutter. Im Rahmen der Schnuppertage habe ich die Gelegenheit genutzt, mir anzuschauen, was eine Bürokauffrau macht. Dort ist mir klar geworden, dass für mich persönlich das Ergebnis der Arbeit dort zu wenig sichtbar ist. Das ist jetzt im Werkzeugbau zum Glück anders.

Meinem jungen „ich“ würde ich raten:

Bin sehr zufrieden so wie mein Leben bisher verlaufen ist! Vielleicht hätte ich mir ein bisschen mehr Mut zur Veränderung gewünscht, aber es ging auch so.

Meine Berufsentscheidung entscheidend beeinflusst hat…

Durch meinen Vater, er ist Elektrotechniker, habe ich einen Zugang zur Technik gefunden. Das 9. Schuljahr in einer technischen Fachschule hat mich in meiner Begeisterung für Technik bestätigt.