Ein Interview mit Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende Infineon Technologies Austria AG.
Der Koralmtunnel verbindet künftig Regionen und Wirtschaftsräume noch enger. Welche konkreten Chancen sehen Sie dadurch für den Technologie- und Industriestandort Steiermark im Zusammenspiel mit Kärnten und dem Alpen-Adria-Raum?
Sabine Herlitschka: Der Koralmtunnel und die Koralmbahn schaffen einen neuen, gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum für rund 1,1 Millionen Menschen. Die Regionen Steiermark und Kärnten sind bereits Mikroelektronik-Hotspots und engagierte Partner in nationalen und europäischen Halbleiterinitiativen. Die neue Infrastruktur bedeutet für Unternehmen wie Infineon eine verlässlichere Anbindung für Fertigung, Forschung, Kooperationen mit Bildungseinrichtungen sowie die Zusammenarbeit mit Clustern und Start-ups. Das führt zu mehr Zugänglichkeit, leichterem Pendeln und höherer Attraktivität für Talente und Fachkräfte aus dem In- und Ausland. Für Lehrer:innen bedeutet das: Die Regionen werden nicht nur wirtschaftlich enger vernetzt, sondern auch für Bildungskooperationen attraktiver. Schulen können leichter mit Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten – etwa für Exkursionen, Projektwochen oder Praktika. Kürzere Wege erleichtern den Austausch zwischen Bildung und Wirtschaft und machen es einfacher, Schüler:innen für technische Berufe zu begeistern. So entsteht ein Umfeld, in dem praxisnahe Lernangebote und Kooperationen mit der Industrie selbstverständlich werden.
Infineon agiert international und regional zugleich. Wie wichtig sind grenzüberschreitende Kooperationen – etwa mit Forschungseinrichtungen, Ausbildungsstätten und Unternehmen – für Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit?
Sabine Herlitschka: Starke Partnerschaften über Landesgrenzen hinweg sind der Schlüssel, um neue Ideen schnell in marktreife Lösungen zu verwandeln. Wer sich international vernetzt, bleibt flexibel, kann auf Veränderungen reagieren und profitiert vom Know-how vieler. Für Infineon ist klar: Nur wer offen zusammenarbeitet, bleibt vorne – ob mit Schulen, Universitäten, Start-ups oder entlang der gesamten Wertschöpfungskette. So entstehen Innovationen, die nicht an Grenzen haltmachen und Europas Position im globalen Wettbewerb stärken. Es gilt, jungen Menschen die Bedeutung von Teamarbeit über Grenzen hinweg zu vermitteln. Wer versteht, wie globale Zusammenarbeit funktioniert, ist bestens vorbereitet für die Arbeitswelt von morgen.

Neue Infrastruktur verändert auch Arbeitsmärkte. Welche neuen Berufsbilder, Qualifikationen und Kompetenzen werden durch die stärkere wirtschaftliche Vernetzung in Zukunft besonders gefragt sein?
Sabine Herlitschka: Die Nachfrage nach digitalen Kompetenzen, technischem Know-how und Flexibilität steigt weiter. Für den Unterricht bedeutet das: Themen wie KI, Automatisierung, Datenanalyse und Nachhaltigkeit sollten frühzeitig integriert werden. Lehrer:innen können durch praxisnahe Projekte – etwa Programmierkurse, Robotik-Workshops oder Energieeffizienz-Projekte – die Basis für diese Zukunftskompetenzen legen. In diesen Bereichen entstehen neue Jobs national und international. Lebenslanges Lernen wird zur Norm, und Schulen sind der erste Schritt in diese Richtung.
Wie können Bildungseinrichtungen aus Ihrer Sicht junge Menschen besser auf eine Arbeitswelt vorbereiten, die immer stärker über regionale und nationale Grenzen hinausdenkt?
Sabine Herlitschka: Indem sie frühzeitig Begeisterung für Technik und MINT-Fächer wecken, internationale (Austausch-)Programme fördern und praxisnahe Bildungsangebote schaffen. Gerade die Mikroelektronik ist eine globale Branche, wir arbeiten an Themen, die weltweit relevant sind, und Durchbrüche gelingen in Teams, die über Grenzen hinaus an Innovationen arbeiten. Daher fördern wir gezielt Fachkräfte und bieten Initiativen wie Praktika, Master-, Bachelor- und Doktorarbeiten, Kooperationen mit Technischen Universitäten und Fachhochschulen sowie Programme zur Förderung von Frauen und Talenten in technischen Berufen – und das über die Grenzen Österreichs hinaus. Mit unseren Smart-Learning-Klassen an HTLs in Kärnten, der Steiermark und Oberösterreich setzen wir konkret in den Schulen an und treiben den Austausch und die Praxisnähe voran. Solche Initiativen bringen die Realität der Industrie direkt ins Klassenzimmer und zeigen, wie globale Zusammenarbeit funktioniert. Die Förderung von Diversität, Mentoring und die Sichtbarmachung von Vorbildern sind zentrale Elemente, um Talente langfristig zu gewinnen und zu halten – in Bildungseinrichtungen und Unternehmen.

Der Koralmtunnel ist ein Symbol für Zukunft und Nachhaltigkeit. Welche Verantwortung tragen aus Ihrer Sicht große Technologieunternehmen dabei, wirtschaftliches Wachstum, ökologische Ziele und gesellschaftliche Entwicklung in Einklang zu bringen, und wie arbeitet Infineon konkret daran?
Sabine Herlitschka: Wir setzen auf Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Verantwortung: Allein die im vergangenen Geschäftsjahr produzierten acht Milliarden Chips aus Villach ermöglichen die Einsparung von rund 14 Millionen Tonnen CO₂ über die Lebensdauer der Produkte hinweg – das ist echter Impact. Unsere Technologien machen die Energieversorgung effizienter, Mobilität nachhaltiger und das Internet der Dinge sicherer. Bildung liegt uns am Herzen: Wir kooperieren mit Schulen, Fachhochschulen und Universitäten, Caritas-Lerncafés und unterstützen junge Menschen, zum Beispiel durch die Aufnahme asylberechtigter Lehrlinge. Und das alles nicht nur als Unternehmen, sondern auch durch das freiwillige Engagement unserer Mitarbeiter:innen. Für uns zählt nicht nur wirtschaftlicher Erfolg, sondern auch, dass wir echten Mehrwert für Gesellschaft und Umwelt schaffen. Die Förderung von Bildung und sozialem Engagement ist für Infineon ebenso zentral wie die Entwicklung nachhaltiger Produkte und Prozesse.

Infineon Technologies Austria AG
Standort Steiermark
Babenbergerstraße 2
8020 Graz
Standort Kärnten
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9500 Villach
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